múm plays "Menschen am Sonntag" - Interview und Verlosung


  • Radialsystem V Holzmarktstraße 33 10243 Berlin

Die isländische Band múm lädt an diesem Wochenende zu zwei besonderen Abenden ins Radialsystem V: Mit dem Perkussionisten Samuli Kosminen vertonen die múm-Gründer Gunnar Örn Tynes und Örvar Smárason den Stummfilm "Menschen am Sonntag" live. Der selten gezeigte, halbdokumentarische Film von 1930 ist ein Portrait Berlins zum Ende der Zwanziger Jahre. Umgesetzt von Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer und Billy Wilder, existierte nie eine Filmmusik zu diesem Film – meistens wurde er von Musik von Marlene Dietrich untermalt. Nun darf man gespannt sein, wie der Soundtrack der Frickel-Elektro-Experimentell-Musiker klingen mag. Wir haben mit Örvar Smárason über dieses Filmmusik-Projekt gesprochen. 


Wie kamt ihr auf die Idee, den Stummfilm „Menschen am Sonntag“ neu zu vertonen?

Das hat sich tatsächlich über längere Zeit zusammengebraut. Als wir mit múm angefangen haben, fanden in Reykjavik regelmäßig Improvisationsabende statt, die in der elektronischen Ambient-Szene sehr beliebt waren: Künstler mussten zu einem Film, den sie vorher noch nie gesehen haben, live Musik entwickeln -  sehr spontan und sehr spaßig. Als wir ein paar Jahre später ein wenig etablierter waren, wurden wir vom Isländischen Filmmuseum gebeten, uns einen Film auszusuchen, zu dem wir einen neue Filmmusik komponieren würden. Ohne lange drüber nachzudenken,  fiel die Wahl auf „Panzerkreuzer Potemkin“, der einer meiner Lieblingsfilme und zugleich ein wenig komplex ist. Wir hatten damit ein paar Auftritte – wie zum Beispiel im spanischen Gijon und in Brooklyn -, und wurden danach regelmäßig gefragt, ob wir damit nicht wieder auftreten möchten. Wir fanden aber, dass das zu aufwändig sei, um es wieder aufzuführen und haben zudem längere Zeit schon drüber gesprochen, uns mit einem neuen Film zu beschäftigen. 

Warum habt ihr dann diesen Film ausgewählt?

Dieser Film ist genau das, was wir gesucht haben – er hat eine Leuchtkraft  und eine dichte Textur, ist zugleich faszinierend und eigentümlich. Ich habe „Menschen am Sonntag“  zum ersten Mal gesehen, als ich in Prag an der FAMU studiert habe und weiß noch, wie der Film mich direkt - wahrscheinlich wegen seiner  Lässigkeit –, gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Als ich ihn ein paar Jahre später, wieder in Reykjavík angekommen, noch einmal gesehen habe, ist  mir einer bestimmten Szene plötzlich klar geworden: Das ist der richtige Film. Er ist aus filmhistorischer Sicht spannend und wurde an einem sehr faszinierenden Zeitpunkt in der europäischen Geschichte gedreht. Aber grundsätzlich ist es ein Film über Jugend, Leben,  Liebe und Lust. 

Wie habt ihr die Musik dazu entwickelt?

Wir hatten die Idee, diese Filmmusik einmal im Monat in der selben Venue zu spielen – also eine Art Work-in-Progress, bei dem wir die Musik vor unserem Publikum entwickeln und haben den kleinen Kunstraum Mengi in Reykjavík kontaktiert. Das war eine tolle Herangehensweise. Die ersten Shows haben sich jeweils sehr voneinander unterschieden, aber mittlerweile ist alles ein wenig festgelegter, auch wenn es immer noch Stücke gibt, die sehr offen sind; besonders wenn es um Schlagzeug und Percussion geht. 

múm plays "Menschen am Sonntag"
Radialsystem V, Holzmarktstraße 33, 10243 Berlin
Samstag, 13. und Sonntag, 14. Februar 2016, Beginn 20 Uhr, Tickets 22 Euro


Wir verlosen zwei mal zwei Tickets für das Konzert am Sonntag. Schreibt uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff "múm im Radialsystem" an playnordic (at) gmx.de. Die Gewinner werden Freitagvormittag benachrichtigt.