Zu Besuch bei ... Gundelach in Oslo


Gundelach hat derzeit keinen Grund zur schlechten Laune. Auf dem by:larm in Oslo hinterließ der norwegische Musiker im NRK P3 Sentrum Scene ein nachhaltig beeindrucktes Publikum mit heruntergeklappten Kinnladen – was bei einem Showcasefestival mit über 100 Acts gar nicht mal so einfach ist. Und die Veröffentlichung seiner Debüt-EP steht Anfang Mai an. Bislang hat der 27-Jährige zwei Tracks veröffentlicht: „Alone in the night“ und „Spiders“ - letzterer wirbelte die internationale Blogosphäre ein wenig auf und landete schließlich auf der Playlist der Radioshow von Pharrell Williams.

„Das war schon ziemlich verrückt“, erzählt Gundelach, während er in seinem Studio in Oslo Kaffee eingießt. „Ich war gerade in Berlin, war lange aus und sah direkt nach dem Aufwachen eine SMS von meinem Manager Tim – schaltete die Sendung ein und zehn Minuten später spielte er tatsächlich meinen Song.“

Gundelach hat früh begonnen, sich aktiv mit Musik zu beschäftigen. In einem Vorort von Oslo aufgewachsen, spielt er bereits als Kind in Theater- und Musicalgruppen mit. „Aber dann hab ich anfangen, mich für Rock'n'Roll und Heavy Metal zu interessieren – so etwas wie Iron Maiden und AC/DC. Mit 13 habe ich meine erste E-Gitarre bekommen und jeden Tag nach der Schule fünf bis sechs Stunden gespielt.“ Über die Progressive-House-Welle in den Osloer Clubs kam Gundlach schließlich zu elektronischer Musik. Seine Großmutter schenkte ihm Desks und er begann mit 16, in seinem Kinderzimmer aufzulegen – und hatte mit 17 seinen ersten Club-Gig.

„Aber ich habe schnell angefangen, selber Musik zu machen. Zum Songwriting kam ich über meine Akustik-Gitarre und Folk-Musik. Damals mochte ich Elliott Smith, Nick Drake und Joni Mitchell besonders gerne. Meine ersten Songentwürfe klangen ein wenig nach dem Debütalbum von Bon Iver.“ Gundelach begann mit seiner Falsett-Stimme zu experimentieren, feilte weiter an seinen Songs – und war nicht so richtig zufrieden. Ihm fehlte an seinem Output der eigene Ausdruck. „Deshalb habe ich mich damit beschäftigt, wie man elektronische Musik produziert und verschrobene Sounds in die Stücke integriert.“

Schließlich ging es für ein paar Wochen nach New York, um dort mit dem Produzenten Joel Ford, der bereits bei Künstlern wie Autre Ne Veut, Oneohtrix Point Never oder Cyril Hahn seine Finger im Spiel hatte, seine Debüt-LP aufzunehmen.

Nun steht die Veröffentlichung in den Startlöchern – und Gundelach hat sich gerade in das Studio Studio seines Freundes Finnebassen eingemietet, um hier an neuem Material zu arbeiten. „Hier steht zum Großteil das Equipment von Finnebassen: Viele Drum-Machines und analoge Syntheziser zum Beispiel. Ich bin froh, von hier aus arbeiten zu können – von zu Hause aus klappt das nicht so gut.“

Ab Mai geht es aber erst einmal auf Europatour – und dann wird weitergeschaut. Am 14. April könnt ihr Gundelach in Berlin live erleben - dann ist der Musiker zu Gast bei der Konzertreihe Ja Ja Ja.