Grönlands Geschichte als Graphic Novel


Titelbild der Ausstellung "Into the wind" - gezeichnet von Nuka Konrad Godtfredsen

Titelbild der Ausstellung "Into the wind" - gezeichnet von Nuka Konrad Godtfredsen

Wie vermittelt man 4500 Jahre grönländische Geschichte auf eine unterhaltsame Art? Und das zugeschnitten auf Kinder und Jugendliche? Diese Frage hat sich auch SILA, das grönländische Forschungszentrum der Nationalmuseen in Kopenhagen und Nuuk, gestellt. Das Archäologenteam bekam für seine Forschung einen Award – und überlegte, wie es mit dem Preisgeld seine Erkenntnisse weitreichender verbreiten könnte. Da sich unter den Wissenschaftlern auch mehrere Comic-Nerds befanden, kamen sie schließlich auf die Idee, ihr Wissen über das Medium Graphic-Novel weiter zu geben. An diesem Punkt kommt Nuka Konrad Godtfredsen ins Spiel: Der Comic-Künstler und Illustrator hatte schon im Vorfeld Kontakt mit einzelnen Forschern des Instituts – und wurde kurzerhand für dieses Projekt eingestellt.

Godtfredsen wurde 1970 in Grönland geboren und studierte an der Universität Aalborg. Er wurde bereits für den Astrid-Lindgren-Memorial-Award 2013 und den Kinder- und Jugendliteraturpreis des Nordischen Rates 2014 nominiert. Viele seiner literarischen Projekte setzt Godtfredsen mit seiner Partnerin Lisbeth Valgreen, mit der er gemeinsam das Kreativbüro Andala in Kopenhagen gegründet hat, um.

War Godtfredsen denn schon vor diesem Auftrag ein Fachmann auf diesem Gebiet? Er schüttelt lächelnd den Kopf. Natürlich habe er schon Kenntnisse gehabt. „Aber das meiste habe ich in Meetings mit dem Wissenschaftler-Team zusammen erarbeitet.“ Doch die größte Schwierigkeit liegt bei einem solchen Projekt auch nicht bei der Summe der einzelnen Fakten – sondern bei der notwendigen Straffung des Materials. Schließlich möchten die Leser nicht mit Einzelheiten aus 4,5 Jahrtausenden gelangweilt werden; und besonders jüngere Leser lassen sich von zu vielen Einzelheiten eher abschrecken. Doch wie unterscheidet man zwischen wichtig und entbehrlich? Auch dies sei grundsätzlich im Team diskutiert worden. „Wichtig war auch, dass diese Bücher für die gesamte Familie lesbar sind – die Kinder also nicht über- und die Erwachsenen nicht unterfordert sind.“

Der Verlag Ilinniusiorfik bringt insgesamt vier Bände heraus. Bislang sind schon drei unter dem Titel „Oqaluttuat“ (auf deutsch „Geschichten“) erschienen – der vierte und abschließende Band ist in Arbeit. Bislang wurde „Oqaluttuat“ auf Dänisch, Grönländisch und Englisch veröffentlicht. Dieses Projekt ist ein schönes Beispiel dafür, wie Kunst und Wissenschaft Hand in Hand zusammenarbeiten können.