by:larm in Oslo: Unsere Lieblingskonzerte

Einmal im Jahr verwandelt sich Oslo zum Hotspot neuer nordischer Musik: Dann findet das by:larm statt, Musikfestival und Fachkonferenz zugleich, das jedes Jahr ein internationales (Fach-)Publikum anzieht. An vier Tagen präsentierten sich über 100 Acts auf mehr als 20 verschiedenen Bühnen, die allesamt fußläufig voneinander entfernt sind. Durch den Showcasecharakter des Festivals – eng getaktete 30 Minuten-Auftritte der einzelnen Künstler – glich die Innenstadt Oslos die Festivalzeit über einer kleinen Konzertgänger-Karawane. Und es war keine Seltenheit, zehnmal an einem Abend den Konzertort zu wechseln. Doch dieser Freizeit-Fleiß wurde belohnt: Auf dem by:larm stellten sich Newcomer aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island vor, die den Durchbruch zum Großteil noch nicht geschafft haben, aber als potenzielle Kandidaten nordischen Musikexports gelten.

Kaum ein Künstler hat ein so betörtes Publikum hinterlassen wie Gundelach. Der 27-jährige Musiker aus Oslo hat bislang gerade mal drei Singles veröffentlicht – seine Debüt-EP erscheint im Mai. Sein aktuellstes Stück „Spiders“ verdrehte sämtlichen Musikbloggern den Kopf und wurde schlussendlich sogar in Pharrell Williams Radioshow gespielt. Auf dem by:larm begeisterte Gundelach mit seinem sehr eigenen wie auch eingängigen Pop, der sowohl an James Blake und Miike Snow als auch – durch seinen falsettartigen Gesang – an Bon Iver erinnert, aber stilsicher einen eigenständigen Sound erzeugt. Unterstützt von einer minimalistischen Lichtshow, konnte man sich diesen Künstler umgehend auf Bühnen großer internationaler Festivals vorstellen. Übrigens könnt ihr euch im April selber von Gundelachs Live-Qualitäten überzeugen – dann ist der Sänger beim Ja Ja Ja-Abend in Berlin zu Gast.

Auch der Sänger Nils Bech stach sehr aus dem riesigen Konzertangebot hervor: Der Norweger arrangiert in seinem Avantgarde-Pop einen teilweise operetten-artigen Gesang mit klassischen und Pop-Elementen, unterlegt von elektronischen Soundteppichen, bei denen zum Teil Ost & Kjex ihre Finger im Spiel hatten. Wie das klingt? Melodramatisch, mitreißend und lässig. Und irgendwie kommen einem so verschiedene Musiker wie Owen Pallett und Active Child in den Sinn.

Aus einer komplett anderen musikalischen Richtung kommt die Sängerin Charlotte dos Santos. In Klassik und Jazz ausgebildet, gehört die mittlerweile in den USA lebende Norwegerin mit brasilianischen Wurzeln zu den Erneuerinnen nordischer Soulmusik. Ob R'n'B oder Pop, Soul oder World – dos Santos vermengt auf lässige Art und Weise sämtliche Stile und besitzt eine solche Live-Ausstrahlung, dass sie in Oslo einen überaus euphorisch jubelndes Publikum hinterlassen hat.

Das Duo Kildaphew, bestehend aus Sängerin Danielle Brogden und Produzenten Andreas Lanesjord, bezeichnet seine Musik als "Trippy calypso neo soul rap“. Sie verbinden Pop und Hip Hop, elektronische und organische Elemente – und kommen dabei zu tanzbar wie berührend herüber.

Pop, poppiger, Lovespeake: Das norwegische Duo schüttelt solch mitreißende Melodien aus dem Ärmel, dass das Herz gar nicht mehr aufhören möchte zu hüpfen vor lauter Catchiness. Die Musiker verbinden die besten Elemente aus Funk der Siebziger und Synthie der Achtziger Jahre – und verwandeln mit einer gehörigen Prise Funk die Konzerthalle in eine Hüpfburg.

M.I.L.K., ein Musik-Projekt rund um den dänischen Künstler Emil Wilk, strahlt mit seinem Sound soviel Sommerlichkeit und Sonnigkeit aus, dass einem als Zuhörer schon einmal das Herz überquellen kann vor lauter positiver Emotion. Retro-Pop und Funk verbinden sich hier zu einer Mischung, die cool und niedlich zugleich daherkommt.

Dreiviertel Efterklang und der Percussionist Tatu Rönkkö ergeben die Band Liima. Das dänisch-finnische Quartett erzeugt besonders live mit einer unglaublichen Wucht Soundwelten, die zwischen Synthie-Pop und Drum-Samples, Experimental-Musik und Elektronik changieren. Und die charismatische Ausstrahlung des Efterklang-Sängers Casper Clausen ist nach wie vor ungebrochen

Das war nur eine kleine Auswahl der vielen, vielen tollen Musiker, die wir auf dem by:larm live gesehen haben. Auf unserem Instagram-Account seht ihr alle Konzerte, die wir besucht haben - und hier eine Übersicht aller Künstler, die aufgetreten sind. 

Das war aber nicht alles, was wir vergangene Woche in Oslo erlebt haben. Ihr wollt wissen, was alles zum Thema Musik-Stream auf der Fachkonferenz besprochen wurde, wie es in Gundelachs Musikstudio ausschaut und welche Ausgehtipps Rytmeklubben für Oslo haben? Dann behaltet in den nächsten Tagen unseren Blog im Auge.