Streaming, Festivals und Jarvis Cocker: Die by:larm-Konferenz

Jarvis Cocker. Bild: Paal Ritter

Jarvis Cocker. Bild: Paal Ritter

Neben den vielen, vielen Konzerten, über die wir bereits gestern berichtet haben, bot das by:larm in Oslo im Rahmen seines Konferenzprogramms jede Menge Talks an, die die Musikbranche aus diversen Blickwinkeln beleuchteten.

Der emotionale Höhepunkt der Konferenz war sicherlich der Vortrag „Extra-Ordinary“ von Jarvis Cocker. Die These des Pulp-Sängers: Jeder der Anwesenden sei ein Künstler – es läge nur an jedem einzelnen, seinen eigenen Blick auf die Welt zu erkennen. Was zusammengefasst wie die Essenz eines spirituellen Ratgebers klingt, war tatsächlich ein äußerst persönlicher, herzerwärmender und inspirierender Talk. Der 52-Jährige zeigte anhand von Fotos und kleinen (Live-)Musikeinlagen, wie er als Teenager angefangen hat, Musik zu machen und dabei mit seinem Kleidungsstil seine Vorbilder imitierte und künstlerisch zwischen Ironie und prätentiösen Aussagen schwankte.  Wie sich im Laufe der Zeit sein Gespür für ein Vertrauen auf die eigene Wahrnehmung und er daraus resultierend seinen eigenen Ausdruck entwickelte, verdeutlichte Cocker über kurze Lesungen einzelner Song-Lyrics aus seiner Karriere - und hinterließ ein beseeltes Publikum. 

Ein Thema, das eine besonders große Rolle auf der diesjährigen Konferenz spielte, war die Digitalisierung von Musik im Allgemeinen und Streaming im Besonderen. Das Forschungsprojekt „Clouds & Concerts“ der Universität Oslo hat sich in den vergangenen fünf Jahren mit der Frage, ob Musikfestivals einen Einfluss auf das Streamingverhalten der User haben, beschäftigt. Das Ergebnis: Ja, haben sie. Künstler, die auf Festivals auftreten, werden kurz davor deutlich häufiger gestreamt – besonders ist das bei unbekannteren Musikern der Fall,  in die Besucher als Vorbereitung der Festivalzeit rein hören. Es gilt die Regel: Je kleiner die Band, desto höher steigt die Listeningrate an und desto schneller sinkt sie auch wieder. 

Auch andere Events zeigen sich in der Streamingrate einzelner Songs. Der Tod von David Bowie hat sich ebenso bemerkbar gemacht wie die Veröffentlichung des Beatles-Kataloges Weihnachten vergangenen Jahres. Zudem würde zum Beispiel immer, wenn in den Nachrichten das Thema Kometen vorkäme, der „Armageddon“-Soundtrack-Song „I don't want to miss a thing“ von Aerosmith besonders häufig gestreamt werden.

Was sich aus diesen Ergebnissen schließen lässt? Es ergibt definitiv Sinn, so genannte „Lagerfeuer“-Events zu nutzen. Darunter versteht man mediale Events, die viele Menschen zum selben Zeitpunkt zusammenbringen; die Samstagabend-Show „Wetten dass ...“ war ein prominentes Beispiel dafür. Solche Momente zu erzeugen, zu denen die User aus einem Anlass bestimmte Musik streamen, kann besonders für kleinere Künstler von Belang sein. 

Zudem könnten Musiker-Karrieren mittels Spotify aufgebaut werden, wie die nordische Label-Relation-Managerin des Unternehmens, Eva Christine Laegdsgaard, vertiefte. Wenn der Song eines Künstlers über eine Newcomer-Playlist gut bei den Zuhörer ankäme, würde Spotify auch Labels und Künstlern kontaktieren, um nachhaltigere Spotlight-Kampagnen zu planen. Die erste nordische Künstlerin einer solchen Kampagne war die dänische Sängerin Mø, die mittlerweile besonders in den USA, Großbritannien, Deutschland und den nordischen Ländern hohe Streamingzahlen hat; insgesamt sechs Millionen Hörer im Monat. Die Single „Lean on“ von Major Lazer & DJ Snake, bei der Mø mitwirkte, ist der meist gestreamteste Song auf Spotify überhaupt. 

Das war aber nicht alles, was wir vergangene Woche in Oslo erlebt haben. Ihr wollt wissen, wie es in Gundelachs Musikstudio ausschaut und welche Ausgehtipps Rytmeklubben für Oslo haben? Dann behaltet in den nächsten Tagen unseren Blog im Auge.