BOUTIQUE - Where Art Meets Fashion: Interview mit Annamari Vänskä


  • Nordische Botschaften Rauchstr. 1 10787 Berlin

Heute startet im Rahmen der "Berlin Fashion Week" im Felleshus der Nordischen Botschaften die interdisziplinäre Ausstellung  „BOUTIQUE - Where Art Meets Fashion“ (wie hier schon kurz berichtet). Die finnische Kuratorin Annamari Vänskä hat dafür 16 finnische Modedesigner und Künstler zusammengebracht, die jeweils zu zweit eine Arbeit entwickelt haben. Wir haben  Annamari Vänskä zu ihrer Ausstellung interviewt.


Wie kamst Du auf die Idee zu der Ausstellung?

Im Jahr 2011 wurde ich eingeladen, für das Amos-Anderson-Museum in Helsinki eine Ausstellung zu kuratieren. Ich wollte mich dabei mit der produktiven Interaktion zwischen Kunst und Mode beschäftigen, schließlich sind im Alltagsleben Mode und Kunst schon immer miteinander verschmolzen, während in der Kunstwelt Mode erst im Laufe der Zeit den selben kulturellen Status erreicht hat. Deshalb wollte ich dieser Beziehung auf den Grund gehen, indem ich Teams aus jeweils einem Designer und einem Künstler kuratiert hab, die an einem gemeinsamen Projekt arbeiten.

Wie würdest Du die Interaktion zwischen Kunst und Mode beschreiben?

Mittlerweile viel relaxter – historisch gesehen war Mode immer das Stiefkind der Kunst. Kunst ist erklärtermaßen zeitlos, sprich unabhängig von Mode-Trends. Mode hingegen ist ja ein Synonym für einen ständigen Wandel, weshalb sie immer in Gefahr läuft, schnell „alt“ zu wirken. Zudem stand Mode häufig stellvertretend für bestimmte Themen; wie zum Beispiel moralischen Verfall, das patriarchalische Sozialsystem oder die Unterdrückung von Frauen. 

Und wie hat sich diese Beziehung in den letzten Jahren verändert?

Sie ist viel enger geworden. Mode profitiert von der Kunst, hat es mittlerweile in große Museen und Galerien geschafft – und zieht mit „Blockbuster“-Ausstellungen ein großes Publikum. Auch in der Art, wie Marken – wie zum Beispiel Louis Vuitton – Künstler in ihren Entwurf-Prozess oder das Design von Boutiquen integrieren, zeigt sich der Einfluss von Kunst auf die Modewelt. 

Wie hast Du entschieden, welche Künstler bei Deinem Projekt mit welchen Mode-Designern zusammenarbeiten?

Das kam ganz natürlich zustande. Ich hatte mehrere Künstler im Kopf, von denen ich wusste, dass sie für eine solche Kollaboration offen wären – und ebenso, wer gut zusammenpassen würde. So habe ich mache Teams selber zusammengebracht, andere haben sich eigenständig gefunden, mit manchen hab ich gemeinsam überlegt. 

Was war für Dich, als Du die Resultate der Team-Arbeiten gesehen hast, die wichtigste Erkenntnis?

Grundsätzlich, dass Kollaborationen immer mehr hervorbringen als die Arbeit eines Einzelnen. Außerdem, inwiefern Mode imstande ist, sich selbst zu reflektieren und kritische Fragen aufzuwerfen – wie zum Beispiel über Schönheits- und Körpernormen, Marken, Authentizität. Nachhaltigkeit oder Fast-Fashion. 


Teilnehmende Künstler und Designer: Minna Parikka und Jani Leinonen, Katja Tukiainen und Samu-Jussi Koski, Tero Puha und Teemu Muurimäki, Paola Suhonen und Mikko ljäs, Salla Salin und Timo Rissanen, Heidi Lunabba und Nutty Tarts, Juliana Harkki und Rauha Mäkilä sowie Timo Wright und Mimosa Pale.

„BOUTIQUE - Where Art Meets Fashion“
Nordische Botschaften, Rauchstr. 1 , 10787 Berlin
Eröffnung: Donnerstag, 21. Januar 2016, 19  bis 21 Uhr
Ausstellung: Freitag, 22. Januar bis Montag, 28. März 2016