Harpa Award: Interview mit Jóhann Jóhannsson

Johann Johannsson. Bild: Jonas Lindstroem

Johann Johannsson. Bild: Jonas Lindstroem

Zeitgleich zur Berlinale findet am Montag, 15. Februar in den Nordischen Botschaften die jährliche Preisverleihung des Harpa Film Music Award statt. Zum sechsten Mal wird der Preis des Nordic Film Composers Network verliehen. 

Einer der nominierten nordischen Filmkomponisten ist der Isländer Jóhann Jóhannsson, der zuletzt in der Kategorie "Beste Filmmusik" für den Film "Sicario" für die Oscars nominiert wurde. Derzeit arbeitet Jóhannsson mit dem Regisseur Denis Villeneuve an ihrem dritten gemeinsamen Film "Story of my life" und an der isländischen Krimiserie "Trapped". Wir haben Jóhannsson zum Interview getroffen. 


Herzlichen Glückwunsch, Du bist zurzeit gleich für zwei Awards nominiert – für den Harpa Award und die Oscar-Verleihungen. 2016 scheint ein gutes Jahr für Dich zu sein …

Ja, das Jahr hat wirklich gut begonnen. Es sind gerade viele interessante Dinge in Aussicht und viele Projekte, an denen ich arbeite.

Deine Oscar-Nominierung hast Du für die Filmmusik vom „Sicario“ erhalten. Was macht Deine Komposition da im besonderen aus?

Das war das zweite Mal, dass ich mit dem Regisseur Denis Villeneuve zusammengearbeitet habe. Somit war „Sicario“ eine Art Fortsetzung unserer Kooperation bei dem Film „Prisoners“. Aber natürlich war „Sicario“ ein komplett anderer Film mit ebenso komplett anderer Musik. Für mich war es das erste Mal, dass ich bei einer Art Action-Film, auch wenn es sich hier eher um eine besondere Art von Arthouse-Thriller handelt, mitgewirkt habe.

Denis war es wichtig, dass man die Musik gleichwertig fühlt und hört, dass sie einen körperlich und emotional berührt. Das hatte ich während des gesamtes Songwriting-Prozesses im Hinterkopf. Denis beschrieb den Film immer als eine Art Kriegsfilm. Natürlich ist es eher ein Film über den „War of drugs“ und ohne Soldaten oder Armee. Aber das Grundgefühl eines Kriegsfilms ist die gesamte Zeit vorhanden. Deshalb hatte ich die Idee, Percussions einzusetzen, tiefe Tomtoms, die sich schichtweise durch den Film ziehen, wie eine Art Puls – und so zum Herzschlag des Filmes werden. Dadurch wird die Spannung der Geschichte durch den gesamtes Film gezogen.

Ihr arbeitet ja nun schon an eurem dritten gemeinsamen Film – der Science-Fiction-Film „Story of your life“ kommt in diesem Jahr in die Kinos. Was ist das besondere an der Beziehung zwischen Dir und Denis Villeneuve?

Ich schätze Denis Blick, sein Tempo und die Stimmung, die er erzeugt. Schon vor „Prisoners“ war ich ein großer Fan seiner Filme - weshalb ich sehr aufgeregt war, dass ich schließlich mit ihm zusammenarbeiten konnte. „Prisoners“ war für uns beide die erste große Hollywood-Produktion; so sind wir gemeinsam da herein geraten.
Wir haben eine ähnliche Sicht darauf, was wir an Filmen und Musik mögen. Ich schätze besonders an ihn, dass er seine Filme atmen lässt und dass die Musik niemals „wall to wall“ eingesetzt werden soll. Denis muss seine Filme nicht mit Musik tapezieren - weshalb sie umso stärker wirkt, wenn sie dann eingesetzt wird.

Was ist für Dich bei Filmmusik besonders wichtig? Gibt es irgendwelche Regeln, die für Dich gelten?

Es gibt gar keine Regeln. Was ich besonders an Filmmusik mag, ist dass jeder Film einfach anders ist. Jedes Projekt hat andere Herausforderungen inne und birgt Probleme, die man irgendwie bewältigen muss. Ich versuche in jedem Projekt etwas neues zu umzusetzen, etwas das ich vorher noch nie so gemacht hab, um mich selber herauszufordern. Ich möchte mich nicht wiederholen. Das ist vielleicht meine Regel.

Gibt es ein Buch oder Drehbuch, für das Du gerne die Filmmusik komponieren würdest?

Da muss ich überlegen … ich habe ein Lieblingsbuch, „Dhalgren“ von Samuel R. Delany. Das ist ein älterer Science-Fiction-Roman, sehr merkwürdig und wunderbar. Falls dieses Buch jemals verfilmt werden sollte, wäre ich da gerne für die Filmmusik zuständig. Aber ich bezweifle, dass das jemals passieren wird, weil das Buch so seltsam ist, dass ich bezweifle, dass man es verfilmen kann. Pasolini hätte das vielleicht hinbekommen.