"Phänomene des guten Lebens"


  • Felleshus der Nordischen Botschaften 1 Rauchstraße Berlin, Berlin, 10787 Germany
Das Felleshus der Nordischen Botschaften. (Bild: Bernhard Ludewig)

Das Felleshus der Nordischen Botschaften. (Bild: Bernhard Ludewig)

Gastbeitrag von Sabine Schirdewahn und Matthias Wagner K

Die Ausstellung NEW NORDIC. FASHION. FOOD. DESIGN stellt die Produkte und Ideen ausgewählter, nordischer Handwerksbetriebe sowie Mode-, Interieur- und Produktdesigner vor und möchte zeigen, was es braucht, damit aus Bekleidung Mode und aus der Herstellung, Zubereitung, Präsentation und dem Genuss von Lebensmitteln facettenreiche Phänomene kultureller Lebenspraxis, des guten Lebens werden. Sie will aufzeigen, wie sich Mode so produzieren lässt, dass sie unsere ästhetischen Ansprüche erfüllt, unseren Wunsch nach Veränderung und dabei unter fairen Produktionsbedingungen entsteht, weder Umwelt noch Mensch schädigt. Und sie möchte sichtbar machen, dass sich hinter dem Begriff der New Nordic Cuisine mehr als nur das schmackhafte und wirkungsvolle Zubereiten von Lebensmitteln verbirgt.

Die nordischen Wälder, Auen und Gewässer sind noch immer voll von gesunden und wohlschmeckenden Pflanzen, Fischen und sonstigen Tieren, das Wasser zumeist noch unbelastet. Und dieser Reichtum an heimischen Lebensmitteln verschwistert sich mit der Kreativität der nordischen Food Scene und zeitigt eine dynamische und selbstbestimmte Gastronomie, die mit der Wertschätzung von Lebensmitteln beginnt und beim Interieur nicht aufhört.

Denn vor einer Zubereitung von Speisen, dem Genuss von Weinen, Bieren, Whiskeys und Schnäpsen aus kleinen, zumeist jungen Destillen und Manufakturen, dem Einsatz von landestypischen Kräutern, speziellem Salz, Fisch, Fleisch, Gebäck und vielem mehr, wollen Kochutensilien, will Geschirr, wollen Gläser, Herde, Grills und mithin Stühle, Tische, Tischdecken, Schürzen und anderes entworfen und hergestellt, kann erst in der Gesamtheit dieser Dinge von einer nordischen Koch-, Ess- und Trinkkultur die Rede sein.

Und deshalb haben wir verstärkt unser Augenmerk auf das Schaffen von Designern, von Handwerksbetrieben und Manufakturen für eben diese Produkte, Gerätschaften und Utensilien gerichtet. Und deswegen fanden wir auch die Präsentation von Designklassikern wie die Lampen von Poul Henningsen und Alvar Aalto, das mit landestypischen Mustern versehene Porzellan von Tapio Wirkkala, die gusseisernen Töpfe und farbigen Gläser von Timo Sarpaneva, die Kochutensilien von Antti Nurmesniemi sowie die Stühle von Halldor Hjalmarsson und Yngve Ekström – um nur einige zu nennen – wichtig, zeigt sich doch gerade anhand dieser Objekte eine Tradition im Gestalten von die Zeiten überdauernden, schönen und langlebigen Produkten in vielen Ländern des Nordens.

Wenn also der Begriff Food in der Tat weit gedehnt erscheint und das eigentliche Essen nur imaginiert werden kann, sei beispielhaft auf die Kochutensilien von Sami Ruotsalainen und Antti Nurmesniemi, auf den Grill von THORS-DESIGN oder den von Mats Broberg & Johan Ridderstråle verwiesen, an denen wir uns schon im Laufe des Aufbaus bei der Zubereitung von bestem Fisch, gutem Gemüse und diversem Wildfleisch hantieren sahen.

Viel Vorstellung und Imagination ist also im Spiel, die sich hoffentlich auf sie alle überträgt und sie so mit uns die Freude an diesen Dingen – und ja auch die Vorstellung – teilen können. Es hat uns in der Tat Freude bereitet, sich einmal mehr mit den Besonderheiten des guten Gestaltens in Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark nebst Faröer-Inseln und Island zu beschäftigen und auf diese Weise die eigene Neugier auf das Andere befriedigen zu können.

Die Künstlerin Sabine Schirdewahn und Matthias Wagner K., Direktor des Museums Angewandte Kunst in Frankfurt am Main, haben die Ausstellung NEW NORDIC. FASHION. FOOD. DESIGN. kuratiert, die bis zum 8. Oktober im Felleshus der Nordischen Botschaft gezeigt wird. Dieser Text ist ein Auszug aus ihrer Eröffnungsrede der Ausstellung.

Elisabeth Stray Pedersen (Designerin aus Norwegen), Matthias Wagner K (Kurator), Satu Maaranen (Designerin aus Finnland), Eva Schildt (Designerin aus Schweden), Eva Louise Hauge (Designerin aus Dänemark), Ragna Fróða und Guðrún Lárusdóttir (Designerinnen des Labels Doppelganger aus Island), Sabine Schirdewahn (Kuratorin) und Thomas Böhm. (Bild: Bernhard Ludewig)

Elisabeth Stray Pedersen (Designerin aus Norwegen), Matthias Wagner K (Kurator), Satu Maaranen (Designerin aus Finnland), Eva Schildt (Designerin aus Schweden), Eva Louise Hauge (Designerin aus Dänemark), Ragna Fróða und Guðrún Lárusdóttir (Designerinnen des Labels Doppelganger aus Island), Sabine Schirdewahn (Kuratorin) und Thomas Böhm. (Bild: Bernhard Ludewig)