Silence Meal: Geräusche der Stille


  • Botschaft von Finnland Rauchstraße 1 10787 Berlin

Im Rahmen der Ausstellung NEW NORDIC. FASHION. FOOD. DESIGN lädt die Botschaft von Finnland zu zwei Performance-Dinner-Abenden mit der finnischen Künstlerin Nina Backman und dem auf Wild Food aus Finnland spezialisierten Koch Sami Tallberg ein. Das besondere daran: Während der gesamten vier Gänge wird geschwiegen.

Dieses „Silence Meal“ ist Teil des „Silence Projects“ - ein Kunstprojekt von Nina Backman, das der Stille in der Großstadt folgt. Wir haben die Künstlerin zum Interview getroffen.


Wie bist Du zu den „Silence Meals“ gekommen?

Als bildende Künstlerin verbinde ich immer wieder Performance Art mit meiner Arbeit. 2012 habe ich das „Silence Project“ begonnen. Hierbei handelt es sich um ein nordisches Ausstellungsprogramm, in das verschiedene Künstler involviert sind. Mit dieser Ausstellung sind wir in den vergangenen drei Jahren getourt – das „Silence Meal“ war ursprünglich für die Pre-Opening-Veranstaltung konzipiert, wurde dann aber so erfolgreich, dass wir es mittlweile auch als Einzelevent veranstalten.

Was war die Idee hinter dem „Silence Project“?

Grundsätzlich ging es darum, Stille im Zusammenhang mit neuen urbanen Wirklichkeiten zu entdecken. Das Thema ist äusserst weitläufig, weshalb ich das Projekt interdisziplinär aufgezogen habe. Viele der teilnehmenden Künstler leben an sehr abgeschiedenen Orten und mich hat interessiert, wie das ihre Arbeit beeinflusst. Denn auf irgendeine Weise wirken diese Künstler sehr frei.

Meinst Du, dass das Thema Stille auch die nordische Mentalität ein wenig widerspiegelt? Schliesslich gibt in in diesen Ländern weitaus mehr abgeschiedene Gegenden als zum Beispiel in Deutschland.

Nun, grundsätzlich ist Stille ja etwas sehr universelles, denn das ironische daran ist ja auch: Es gibt keine Stille. Aber dennoch denke ich, dass Stille schon ein wichtiger Teil der nordischen Identität ist – genauso wie das Gegenteil. Auf der einen Seite ist es sehr sehr ruhig, auf der anderen gibt es gerade in diesen Ländern viele Heavy Metal Bands zum Beispiel. Diese Extreme interessieren mich sehr.

Was verändert sich denn, wenn bei einem Abendessen nicht gesprochen wird?

Ich denke, da kommen drei Elemente zusammen: Einmal Geräusche, denn ein „Silence Meal“ ist nicht still – man hört nur andere Geräusche, was sehr interessant ist. Zweitens die sinnliche Erfahrung, da der Geschmack sehr in den Vordergrund tritt. Und zu guter Letzt die soziale Interaktion: Wenn aufgehört wird zu sprechen, heisst das ja nicht, dass aufgehört wird zu kommunizieren. Deswegen ist menschliche Kommunikation hier ein wichtiges Element.

Kann es sich zu Beginn des Abend nicht erst einmal seltsam anfühlen, mit fremden Menschen zusammen zu sitzen und gemeinsam zu schweigen?

Vielleicht manchmal. Wir beginnen den Abend immer mit einer kleinen Einleitung, so dass sich die Gäste auch untereinander unterhalten – meistens typischer Smalltalk. Dann gibt es das Essen. Danach unterhalten sich die Leute – und das auf eine Art, wie sie es vorher nicht getan hätten. Denn es ist sehr aufschlussreich, eine zeitlang schweigend nebeneinander zu sitzen. Und die Hierarchien geraten ins Wanken; man kann nicht für anderthalb Stunden – ohne zu sprechen – eine Maske beibehalten. Meiner Meinung nach liegt die Schönheit dieser Erfahrung darin, dass der Smalltalk-Teil der Unterhaltung nach dem Essen einfach übersprungen wird und man sich mit Menschen, neben denen man außerhalb dieses Dinners niemals gesessen hätte, direkt über richtige Dinge spricht.

Und was gibt es zu Essen?

Ich arbeite mit verschiedenen Köchen zusammen – diesmal mit Sami Talberg, der Wild Food verarbeitet. Sami sammelt in den Wäldern Finnlands Zutaten und bereitet sie vegetarisch zu. Als ich seine Gerichte zum ersten Mal gegessen habe, hatte ich das Gefühl, dass das, was ich geschmeckt habe, etwas mit unserer nordischen Geschichte zu tun hat. Alles schmeckte auf eine merkwürdige Art bekannt, aber ich konnte es nicht zuordnen. Deshalb denke ich, dass es ein sehr nordisches Geschmackserlebnis ist.


"Das Silence Meal ist wie ein sozialer Laborversuch, bei dem die Sinne der Teilnehmer gemeinsam und einzeln auf die Probe gestellt werden."
(Kari Korkman, CEO, Helsinki Design Week)

"Ich habe die wortlose Kommunikation meiner Tischnachbarn interessiert verfolgt und wollte aktiv daran teilnehmen … ich hatte das Gefühl, die Menschen so sogar besser kennenzulernen als durch ein Gespräch. Ist das möglich?"
(Johanna Piisi)

"Bricht man nicht unvermittelt in Gelächter aus? Ja, manche Gäste schon. Andere verfassen kleine Notizen und reichen diese herum, um zu kommunizieren."
(Timo Miettinen)


Die Silence Meals finden am Freitag, 23. September und Samstag, 24. September 2016 jeweils um 19 Uhr statt.  Der Preis beträgt 80 Euro pro Abend und Person und umfasst ein Wild Food Vier-Gänge-Menü von Sami Tallberg sowie Getränke. Die Tafel – jedes der beiden Essen ist auf 30 Personen begrenzt – wird in der Botschaft von Finnland gedeckt.

Ihr möchtet dabei sein? Dann meldet euch unter Angabe des Termins in der Finnischen Botschaft an: info.berlin@formin.fi

Die große Sommerausstellung NEW NORDIC. FASHION. FOOD. DESIGN läuft noch bis zum 8. Oktober in den Nordischen Botschaften. Kuratiert von der Künstlerin Sabine Schirdewahn und Matthias Wagner K, dem Direktor des Museums Angewandte Kunst in Frankfurt am Main, wird in diesem Jahr der Fokus auf die Vereinbarkeit von Design und Nachhaltigkeit gelegt.