So war das Reeperbahn Festival

  • Reeperbahn Hamburg, HH Germany
Bild: Aus Finnland / Jonna Rutanen

Bild: Aus Finnland / Jonna Rutanen

Das Reeperbahn Festival in Hamburg war einmal wieder mehr als überwältigend – schließlich spielten auf Europas größtem Clubfestival an vier Tagen rund 400 Künstler auf mehr als 25 Bühnen in St Pauli und darüber hinaus verteilt. Da hieß es: Augen auf den Spielplan, keine Müdigkeit vortäuschen und ab ins Getümmel, um so viele Acts wie möglich zu entdecken.

Etwa ein Achtel der Künstler, die beim Reeperbahn Festival dabei waren, kamen aus den nordischen Ländern. Wir haben uns ein wenig umgesehen.

Unsere Freunde von Ja Ja Ja haben für ihre Festival-Ausgabe die Künstler Máni Orrason, IAMJJ, Albert af Ekenstam und Gundelach in die Superbude eingeladen. Das überaus charmante Hostel bot mit der kuscheligen „Rockstarsuite“ den perfekten Rahmen für die besondere Version der nordischen Konzertreihe – wurden die Musiker doch gebeten, jeweils Akustik-Sets zu spielen.  

Albert Af Ekenstam ist eigentlich eher für seine Postrock-Eskapaden bekannt. In der Rockstartsuite verzauberte der Schwede mit seinen nahezu besinnlichen Singersongwriter-Stücken und leitete so einen durchaus berührenden Nachmittag ein.

Bei IAMJJ aus Dänemark passen Musik und Erscheinung auf den ersten Blick so gar nicht zusammen: Der zunächst sehr jungenhaft wirkende23-Jährige erinnerte stimmlich eher an Tom Waits und zog mit seinen intensiven Lyrics über die Liebe und das Leben das Publikum in einen Sog.

Der 19-jährige Mani Orrason landete in seiner Heimat Island bereits mit seiner Debütsingle auf Platz 1 der Charts. Die Songs des Lockenkopfs klingen schnörkellos und poetisch – und sein Bruce-Springsteen-Cover „I'm on fire“ kann als einer der Höhepunkte des Events gewertet werden.

Dass Soundtüftler Gundelach nicht komplett akustisch spielt, war von vornherein klar. Doch bot der Norweger eine abgespeckte Version seiner Songs – und stellte zudem neue Stücke wie das großartige „Hurt“ vor. Man kann nach seiner Debüt-EP also noch einiges von dem Musiker erwarten.

Beim Aus Finnland Showcase im Sommersalon begeisterte uns besonders die Band mit dem kompliziertesten Namen: Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? verzichten auf Gitarren, setzen stattdessen Casio-Orgel-Sounds ein und versprühen mit ihrem Garage-Rock mit Sixties-Soul und Bubblegum-Punk-Anleihen ziemlich gute Laune.

Ausgehungert vom glücklichen Rumhüpfen landeten wir anschließend beim "Aus Finnland Foodgarden" auf dem Spielbudenplatz. Hierfür waren extra drei Foodtrucks aus Helsinki angereist: Bei Social Food, Thai Papaya und The Alexanders konnte man – mitten im Reeperbahntrubel sitzend – bei finnischem Streetfood verschnaufen. Natürlich lief dazu stilecht ausgewählte Musik aus Finnland.

Der Schwede Albin Lee Meldau gab im vollbesetzten Imperial Theater ein sehr berührendes Konzert – und wurde am Ende des Festivals mit dem „ANCHOR – Reeperbahn Festival Music Award“ ausgezeichnet. Die Jury dazu: "Each and every nominee had something special to give and important to show, but of all the contestants, there was one act that was the most outstanding and cohesive. With his magic and brooding anger, he is definitely a maverick, akin to the David Bowies and Freddy Mercurys of the world." Na, wenn das mal keine ehrwürdigen Referenzen sind.

Wer uns sonst noch begeistert hat? Die Dänen Blondage, die vorher unter Rangleklods firmierten, hypnosierten; ihre Landsmänner Yung bretterten mit ihrem Punkentwurf übers Publikum hinweg und der Isländer Axel Flovent erzeugte mit seiner sehr eigenen Mixtur aus Indie-Pop, Folk und Elektrospielereien eine ganz besondere Atmosphäre.

Bei Instagram könnt ihr sehen, welche Bands wir uns sonst noch angeschaut haben. Und hier findet ihr alle nordischen Bands, die auf dem Reeperbahn Festival auf der Bühne standen.