Zu Besuch bei ... Liima

  • Berghain Am Wriezener Bahnhof Berlin, Berlin, 10243 Germany

In einem Hinterhof der vielbefahrenen Berliner Straße in Weißensee versteckt sich das Studio von Liima. Die Band, die sich aus Mads Brauer, Casper Clausen und Rasmus Stolberg von der dänischen Band Efterklang und dem finnischen Perkussionisten Tatu Rönkkö zusammensetzt, hat diese knapp 100 Quadratmeter vor sechs Jahren bezogen. Da Casper Clausen in Lissabon, Rasmus Stolberg in Kopenhagen und der Rest in Berlin wohnt, sind diese Räumlichkeiten der Dreh- und Angelpunkt der Musiker geworden. „Vorher war hier eine Tischlerei drin“, erzählt Clausen. „Wir haben ein halbes Jahr Arbeit in die Renovierung gesteckt, bis wir zufrieden waren.“ Aber warum haben sich die Musiker ausgerechnet diesen Kiez ausgesucht? „Wir finden, dass das ein sehr interessanter Teil der Stadt ist. Hier hat sich in den vergangenen fünf Jahren nicht besonders viel verändert. Mal eröffnet ein neues griechisches Restaurant, dafür schließt ein anderes, hier gibt es einen neuen Späti, dort vielleicht einen Dönerladen – aber das wars. Und so ist diese Gegend ein Gegenpol zu Kiezen wie Kreuzberg.“ Außerdem würden hier viele interessante Menschen leben; im Hinterhof sind zum Beispiel ein Klavierbauer sowie der Fotograf, der auch für Bilder des Liima-Albums zuständig ist, ansässig. Und zuletzt sind sie Earl Harvin von den Tindersticks in die Arme gestolpert, der auch direkt um die Ecke wohnt. „Aber hier wird es nie hip. Irgendwie ist das wunderschön.“

Das Debütalbum ist jedoch nur zu einem Viertel in Weißensee entstanden. Die Songs auf „ii" wurden bei jeweils einwöchigen Aufenthalten in Finnland, Berlin, Istanbul und Madeira geschrieben und aufgenommen. „Wir haben in Finnland in einer kleinen Hütte direkt an einem See mit den ersten Songs angefangen – und mochten das Resultat. So kamen wir auf die Idee, einfach immer wieder die Orte zu wechseln“, so Clausen. Die einzelnen Stücke würden auch das Grundgefühl der einzelnen Orte konservieren. „Die Energie, die ein ruhiger Wald bei einem erzeugt, ist nun einmal eine andere als die in dem verrückten Chaos von Istanbul“. Zudem hat Tatu Rönkkö an jedem Ort mit seinem Fieldrecorder Sounds gesammelt, mit seinem Drumcomputer verarbeitet und in die Stücke einfließen lassen.

Wie hat denn Tatu Rönkkö die Band Efterklang verändert und zu Liima gemacht? „Als wir damals einen Drummer gesucht haben, kam Tatu rein und wir wussten direkt: Der ist es. Wie er sich ans Schlagzeug setzte und hinreißend lächelnd die kränksten Beats spielte – da war für uns alles klar“, erzählt Clausen. „Ich habe noch nie mit einem Drummer gespielt, der technisch so versiert war.“ Insgesamt sei es bei Efterklang immer um die Erzeugung von Schönheit gegangen und die Songs wie Skulpturen Schicht für Schicht entstanden. Tatu habe da eine andere Herangehensweise. „Er ist ein wenig verrückter, abgedrehter als wir und bringt einen gewissen Tarantino-Faktor in die Band.“ Und so habe sich auch die gemeinsame Haltung zum Songwriting verändert. „Wir haben versucht, so offen und spontan wie möglich zu arbeiten, ohne uns zu viele Gedanken zu machen und einfach intuitiver zu agieren.“ Dazu kam die bewusste Beschränkung auf Synthesizer, Drum-Samples, Gesang, Effektpedale sowie eine Bassgitarre – das wars. Wie das Resultat klingt? Nun, das könnt ihr zum Beispiel heute Abend herausfinden: Dann spielen Liima im Berghain.

Liima
Berghain, Am Wriezener Bahnhof, 10243 Berlin
Donnerstag, 21. April 2016, Beginn 21 Uhr. Tickets 19 Euro.

Wir verlosen einmal mal zwei Gästelistenplätze. Schickt uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff "Liima" an playnordic (at) gmx.de.