Zu Besuch in Asbjørns WG-Zimmer. 

Nach dem Release ist vor dem Release: Das bringt Asbjørns Arbeitsweise ziemlich genau auf den Punkt. Der 23-Jährige hat erst im November 2015 sein aktuelles Album „Pseudo Visions“ veröffentlicht – und sitzt schon längst wieder am Songwriting für seinen nächsten Output. 

Nicht weit vom Görlitzer Bahnhof entfernt wohnt der Pop-Musiker in einer Art dänischem Künstlerkollektiv mit der Singersongwriterin Ida Wenøe und der  Grafik-Designerin Zille Bostinius. Während Ida und Asbjørn sich gegenseitig beim Songwriting über die Schulter schauen und schon öfter gemeinsam auf Tour waren, ist Zille für das gesamte Artwork, Poster und Website des Musikers zuständig.

Ihren Alltag gestaltet die WG hoch diszipliniert: „Ich stehe meistens gegen 9 Uhr auf, dann frühstücken Ida und ich zusammen und verschwinden dann jeweils in unsere Bubbles und arbeiten bis zum Abendessen gegen sechs Uhr“, erzählt Asbjørn. „Wir haben also richtige Arbeitstage.“ Er selbst sitzt den Großteil des Tages an seinem Tisch – nur mit einem Notebook und kleinen Keyboard. „Wenn ich zu viel Zubehör hätte, würde mich das vom Songwriting nur ablenken.“

In der Nähe von Århus aufgewachsen, kam Asbjørn schon als Kind  intensiv mit Musik in Berührung: Über seine Eltern, die beide Musiklehrer sind, wurde er mit einer Mischung aus Schubert und Paul Simon sozialisiert und lernte zu Grundschulzeiten Klavier.  „Doch ich hatte früh den Drang, Popmusik zu hören – wie  die Spice Girls, Backstreet Boys und Destiny's Child. Damals hab ich auch Tanz-Choreografien zu den Stücken entwickelt.  Ab 15 hatte ich eine melancholische Teenager-Phase und hab mich intensiv mit Folk beschäftigt, wie Ane Brun oder Teitur. Zu der Zeit hab ich den Kontakt zu meinem Körper ein wenig verloren und war sehr in meinem Kopf gefangen.“ 

Diese beiden recht gegensätzlichen Phasen ergaben bei der Produktion von Asbjørns ersten Album plötzlich komplett Sinn. „Ich hab da bemerkt, dass ich vier Jahre lang vergessen hab zu Tanzen – und wollte die cleane und tanzbare Pop-Musik aus meiner Kindheit mit der schweren Melancholie der Folk-Musik verbinden.“ Und so ist der markante Asbjørn-Sound entstanden, der zum Beispiel in der 2012er-Single „The Criminal“ besonders schön herüberkommt. 

Doch in welche Richtung sollen denn seine neuen Stücke gehen, an denen er zurzeit arbeitet? „Ich denke, es wird noch schwermütiger und zugleich etwas mehr tongue-in-cheek. Diese beiden Extreme sind wichtig, weil sich auch mein Leben so entwickelt hat: Entweder voller Energie oder in mich gekehrt.“

Seit seinem Umzug nach Berlin vor anderthalb Jahren schätzt Asbjørn, diesen beiden Stimmungen jederzeit nachgehen zu können. „Ich genieße es, Zuhause zu sitzen und zu arbeiten – und gleichzeitig zu wissen, dass vor meiner Tür dieses Chaos herrscht. Das inspiriert mich sehr.“ Und natürlich auch die Möglichkeit zu haben, sich jederzeit wieder ins Leben zu stürzen. 

Außerdem hat  Asbjørn vor Ort schnell Anschluss gefunden: „Als ich zum Beispiel gerade nach Berlin gezogen bin, habe ich bei der Launch-Party von der Ja Ja Ja-Konzertreihe in den Nordischen Botschaften aufgelegt – zusammen mit der norwegischen Sängerin Sandra Kolstad. Das war eines dieser Treffen, die man niemals vergisst, nahezu magisch: Wir wussten einfach direkt, dass wir Freunde werden.“

Bald soll es mit dem aktuellen Album „Pseudo Visions“ auf Tour gehen – auch eine perfekte Chance, um das neue Material auf der Bühne auszuprobieren. „Das gehört zu den besten Aspekten des Tourens; Ich kann checken, wie meine neuen Stücke ankommen und diese Energie mit ins Studio nehmen. Damit helfen mir meine Zuhörer ungemein.“

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AuthorPlay Nordic
CategoriesMusic